Unser Engagement am „Ohrenauf“ – Projekt des RSO 2008/09 

Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten

Im Rahmen des „Ohrenauf“ – Projektes „Offenes Orchester“ besuchten Kinder und Jugendliche eine Probe des RSO und erlebten, wo Orchestermusiker und Dirigent täglich miteinander arbeiten, und wie dabei Musik entsteht. Vor dem Proben-besuch kamen RSO-Musiker in Kindergärten und Schulen, führten ihr Instrument vor, erzählten von ihrer Arbeit beim Orchester und musizierten gemeinsam mit den Kindern.

Ahmet Baydur:

Fünf Kindertagesstätten (Kitas) hatten die Proben des Orchesters Ende Oktober besucht und wurden dabei von Sabine Berlin, der Projektleiterin von „Ohrenauf“ kompetent und kindgerecht für diesen Besuch vorbereitet. Diese Einführung fand in den Räumen des Rundfunks statt. Auf die Anregung des Jugendamtes Stuttgart haben wir uns überlegt, dass es für die Kinder leichter wäre, wenn diese Vorbereitung in der gewohnten Umgebung der Kinder stattfinden könnte.

So habe ich im Monat März die Kinder in sieben Kitas vor Ort auf ihre Besuche im Monat Mai 2009 vorbereitet, und für vier Kitas die Nachbesprechung der Oktoberbesuche durchgeführt, die fünfte hat mein Kollege Lukas Friedrich übernommen. Die zukünftigen kleinen Gäste sind jetzt gut informiert, hatten viel Spaß dabei und freuen sich riesig auf die Begegnung mit dem Orchester.Das stellte sich wirklich als sinnvoll heraus, da dort in kleinen Gruppen gearbeitet werden konnte, die Kinder selbst ausprobieren konnten und die Erinnerungen dadurch sicher bleibender sind.

Zu den Bildern:

Die ersten zwei Reihen schickte uns der Leiter des Kindergartens Paprikastraße, Herr T. Becker. Die nächsten zwei Reihen sind Impressionen aus der Kita Uhlbacher Straße von Frau R. Finkbeiner, die letzte Reihe zeigt Herrn Lukas Friederich in der Kita Freibadstraße, geschickt von Frau J. Brasch. Mehr Informationen finden Sie unter den Bildern.

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Wie ist ein Bogen gebaut?

Geht es auch mit einem Band?

Hier wird das Orchester erklärt an einem Super-Poster

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Ein raues Bändchen gibt mehr Klang.

Sooo viel Spaß macht das!

Ein Dirigent wird eingewiesen…


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Auch Rhythmus gehört zur Musik

So klingt ein Haselnuss-Bogen …

… und so ein richtiger

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Mach‘ ich’s richtig?

Ein behutsamer Junge

So sieht’s im Studio aus (Mehmet)

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Auch mein Geiger-Kollege Lukas übernahm einen der Kita-Besuche.
Er erzählte mir, wie sehr ihm das Spaß gemacht hat – und an den Kindergesichtern sieht man, dass auch sie begeistert waren.

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So neugierig auf die Geige …

Alle hören Lukas zu

So kam es zu dieser Kooperation mit dem „Ohrenauf“-Programm

Eines der Hauptziele unserer Stiftung ist, Kinder an die Musik heranzuführen und dies möglichst im frühesten Alter. Auf der Suche nach einem geeigneten Betätigungsfeld bin ich Oktober 2009 Zaungast beim Besuch von 2 Vorschulkindergruppen im RSO-Studio gewesen. Sabine Berlin vom „Ohrenauf“-Programm bereitete die große Schar der Kinder auf den bevorstehenden Probenbesuch vor. Die Kinder ließen sich Vieles erklären, staunten, stellten neugierig Fragen. Ganz spontan stellte mich Sabine als Musiker vom Orchester vor und sagte, sie würden sicher von mir authentische Antworten auf ihre Fragen bekommen, so ganz aus der Mitte des Geschehens. Und plötzlich stand ich auch mitten drin in der Einführung. Mir hat es mächtig Spaß gemacht, und die kleinen Gäste hatten einen Musiker mit türkischen Wurzeln vor sich aus einem recht international besetzten Orchester. Ein paar Insider-Geschichten – und schon fühlten sie sich vertrauter.

Es gibt manchmal im Leben „glückliche Zufälle“, die den Dingen eine Richtung geben, die positiv etwas ins Rollen bringen. An jenem Tag war nämlich auch die Bürgermeisterin für Jugend und Soziales der Stadt Stuttgart, Frau Müller-Trimbusch, zu jener Probe gekommen, um sich von dem Projekt ein Bild zu machen. Nach der von mir mitgestalteten Einführung fragte sie mich, warum nicht ich als Musiker die Vorbereitung der Kinder vor Ort in den Kitas in die Hand nähme. Sie machte mir Mut, hielt mich geeignet, die Kinder für die Musik und das Orchester zu begeistern. So bin ich in die Aufgabe hinein geschlittert, eigentlich als Laie ohne pädagogische Vorkenntnisse. Alles, was ich im Gepäck hatte, war außer meiner Geige die Bereitschaft, von Mal zu Mal von den Kindern und mit ihnen zu lernen und meinerseits zu versuchen, ihnen meine Freude an der Musik, die mein Leben bestimmt hat, zu übertragen.

Was ich alles dabei gelernt habe

Gleich zu Anfang habe ich bemerkt, dass es peinlichst gerecht zugehen muss wie vor höchsten Gerichten. Kein Kind durfte vorgezogen, übervorteilt werden. Alle wollen einzeln wahrgenommen, beachtet und bei dem, was sie tun wertgeschätzt werden. Und dies alles in Augen- oder Kniehöhe. Manchmal steht ihnen ihre natürliche Ungeduld im Weg, aber sie sind ohne Ausnahme neugierig, lernwillig und lernfähig. Freundlich-konsequentes Vorgehen tut gut, sie wollen angeleitetaber dann auch gelobt werden. Nicht Vormachen sondern Mitmachen lassen sichert ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit. Selbst von den ErzieherInnen als schwierig eingestufte Kinder haben unseren gemeinsamen Spaß am Probieren, beim Streichen, Zupfen und Herumrutschen auf Saiten einer Geige nicht im Geringsten gestört, auch sie haben mächtig mitgemacht. Musik als Verhaltenstherapie! Die Bilddokumentation belegt diese Aussagen.

Ich habe 11 Kitas besucht und die Kinder für einen Probenbesuch beim RSO vorbereitet oder ihren früheren Besuch aufgearbeitet. Fast immer in 2 kleineren Gruppen hatten alle Gelegenheit, ein Instrument in die Hände zu bekommen und auszuprobieren, es zum Klingen zu bringen. Wir haben gemeinsam musiziert: ich habe die Kinder mit der Geige beim Singen von Liedern begleitet. Selbst  bei Sitzungen, deren Länge über 1,5 Stunden ging, riss die Aufmerksamkeit nicht ab, weil sie den Ablauf mitgestalten konnten. Nur durch diese Lernweise sind fest verankerte Erinnerungen möglich.

Bei dem abschließenden Erfahrungsaustausch im Jugendamt haben sich alle ErzieherInnen sehr positiv über die Aktion geäußert. Alle 12 Kitas möchten, dass wir in der nächsten Saison die nachrückenden Vorschulkinder einweisen und die Zusammenarbeit in gleicher Weise fortsetzen. Ich möchte das Angebot unsererseits bescheiden erhöhen und zusätzlich einige ins Boot nehmen. Mir hat dieses Engagement viel gegeben. Von den Kindern habe ich viel gelernt, erstaunliche Äußerungen der Begeisterung gehört. 2 Kinder haben daraufhin mit dem Geigenunterricht begonnen, einige grüßen mich als Musikerkumpel mit Vornamen in der Stadt und stellen mich ihren Eltern vor.

Wir Musiker müssen auf die Kleinsten zugehen, sie für Musik neugierig machen, ihre Lust anfachen. Ich denke, wenn die diesjährige Schar der Kinder auch nur einen zaghaften Schritt in diese Richtung getan hat, hat sich mein persönliches Engagement ausgezahlt. Liebe kleine Freunde, ich bin wieder voll dabei in der nächsten Saison!

Euer Ahmet